Fragen und Antworten
Verteilung
Lagerung
Wirkung
Allgemein
Erwachsene
Kinder
Tiere
Ereignisfall
Verhalten im Ereignisfall
Kinderbetreuungsstätten
Weitere Informationen
Verteilung
Weshalb werden Kaliumiodidtabletten vorsorglich verteilt?
Kaliumiodidtabletten dienen
der Schilddrüsenkrebsprophylaxe bei einem schweren Kernkraftwerkunfall mit
Austritt von Radioaktivität. Rechtzeitig eingenommen verhindern sie, dass sich
über die Atemluft aufgenommenes radioaktives Iod in der Schilddrüse anreichert.
Damit im Ereignisfall die Kaliumiodidtabletten schnell verfügbar sind, werden
sie vorsorglich verteilt.
Die Verteilung der
Kaliumiodidtabletten dient lediglich der schnellen Bereitstellung im
Ereignisfall. Ob oder wann in einem Ereignisfall eine Einnahme angeordnet wird,
hängt von der regionalen radioaktiven Belastung ab, welche z.B. von den
Windverhältnissen und der Entfernung zum Ereignisort abhängt.
An wen werden Kaliumiodidtabletten verteilt?
In einem Umkreis von 20 km (Zonen
1 und 2) eines Schweizer
Kernkraftwerkes erhält die ganze Bevölkerung (vom Kleinkind bis zum Senior)
eine Packung Kaliumiodid 65mg Tabletten à 2 x 6 Tabletten. Die Tabletten werden
mit jeder Verteilaktion direkt an die Haushalte verteilt. Neuzuzügerinnen und
Neuzuzüger erhalten die Tabletten bei der Anmeldung auf der Gemeinde.
Zudem werden Packungen an
alle Betriebe und öffentlichen Einrichtungen (unter anderem Schulen,
Kindertagesstätten, Krankenhäuser, Behörden) abgegeben. Im behördlich angeordneten
Ereignisfall werden die Kaliumiodidtabletten an die Personen, die vor Ort sind,
verteilt.
In der Zone 3 (übrige Schweiz) sorgen die Kantone für eine dezentrale Einlagerung
der Kaliumiodidtabletten in genügender Zahl, um ihre gesamte Bevölkerung damit
versorgen zu können. Sie bereiten für den Ereignisfall die Abgabe der Tabletten
so vor, dass diese innerhalb von zwölf Stunden ab Anordnung der Behörde an die
ganze Bevölkerung abgegeben werden können.
Woher weiss ich, in welcher Zone ich wohne? Wo kann ich mich
erkundigen?
Die Zonen 1
und 2 umfassen alle Gemeinden in
einem Umkreis von 20 km um die Kernkraftwerke. Alle weiter entfernt liegenden
Gemeinden gehören der Zone
3 an.
Unter www.kaliumiodid.ch findet sich im Anhang zur Jodtabletten-Verordnung
eine komplette Liste mit allen Gemeinden dieser Zonen (Downloadbereich,
Jodtabletten-Verordnung, PDF-File öffnen und ans Ende scrollen). Sie können
auch bei der Rubrik „Wie erhalte ich Kaliumiodidtabletten“ in der Suchmaske den
Namen ihrer Gemeinde eingeben. Auch die Gemeindeverwaltungen geben Auskunft.
Was enthält eine Packung Kaliumiodidtabletten?
Jede Packung
Kaliumiodidtabletten enthält 2 Blister à 6 Tabletten sowie eine dreisprachige
Packungsbeilage. In der Schweiz enthalten die Tabletten jeweils 65 mg Kaliumiodid
und heissen „Kaliumiodid 65 mg Armeeapotheke“. Die Blister sind undurchsichtig
und mit einer zusätzlichen Folie geschützt, um einer versehentlichen Einnahme
durch Kinder vorzubeugen.
In der Zone 1+2 befindet sich die Kaliumiodid 65 mg Packung in einer
ähnlich gestalteten minimal grösseren Versandpackung. Das Verfalldatum ist nur
auf der eigentlichen Kaliumiodidtabletten-Packung aufgedruckt. Neben der
Kaliumiodidtabletten-Packung befindet sich in der Versandpackung eine
achtsprachige Kurzinformation (Informationsblatt).
In der Zone 3, wo die Lagerung dezentral erfolgt, gibt es keine
Versandpackung. Die achtsprachige Kurzinformation wird lose mit der
Kaliumiodidtabletten-Packung abgegeben.
Wann werden die Kaliumiodidtabletten ausgetauscht?
Die Tabletten werden am Ende
der Haltbarkeit in geeigneter Art zurückgerufen, der fachgemässen Entsorgung
zugeführt und neue Tabletten verteilt. Bewahren Sie die Tabletten so lange auf,
bis Sie von den Behörden aufgefordert werden, diese zurückzugeben.
Die Verteilung/der Austausch
in den Zone 1 + 2 und in der Zone 3 findet zu unterschiedlichen Zeitpunkten
statt.
Kostet die Steuerzahler die Verteilung der Kaliumiodidtabletten
etwas?
Die Kosten der Verteilung in
den Zonen 1 und
2 übernehmen die Kernkraftwerkbetreiber.
In der Zone 3 werden die Kosten je zur Hälfte von den
Kernkraftwerkbetreibern und dem Bund übernommen.
Lagerung
Ich habe eine Packung Kaliumiodidtabletten erhalten. Was muss
ich damit tun?
Die Tabletten sind für den
Fall eines schweren Kernkraftwerkunfalls bestimmt. Solange dieser Ereignisfall
nicht eintritt, müssen die Packungen zusammen mit dem beiliegenden
Informationsblatt an einem für Kinder unzugänglichen Ort, trocken und bei Raumtemperatur
gelagert werden. Im Ereignisfall werden die Behörden die betroffene Bevölkerung
ausdrücklich zur Bereitstellung und falls erforderlich zur Einnahme der Tabletten
auffordern.
Wie bewahre ich die Kaliumiodidtabletten-Packungen am besten
auf?
Die Packungen sind zusammen
mit der achtsprachigen Informationsblatt an einem für Kinder unzugänglichen
Ort, trocken und bei Raumtemperatur aufzubewahren.
Wie lange sind die Kaliumiodidtabletten haltbar?
Das Haltbarkeitsdatum ist auf
der jeweiligen Tablettenpackung aufgedruckt (z.B. EXP: 12.2019).
Bewahren Sie die
Kaliumiodidtabletten so lange auf, bis Sie von den Behörden aufgefordert
werden, diese zurückzugeben. Dies gilt auch für Kaliumiodidtabletten, welche
das angegebene Haltbarkeitsdatum erreicht haben sollten. Die Kaliumiodidtabletten
unterliegen einer ständigen Qualitätskontrolle durch die Armeeapotheke.
Ich ziehe um. Muss ich die bereits erhaltene Packung wieder abgeben?
Nein. Sie können die Packung
behalten, auch wenn Sie aus Ihrer Gemeinde wegziehen.
Ich habe meine Kaliumiodidtabletten verloren. Wie komme ich zu
einer neuen Packung und was muss ich dafür bezahlen?
In Zone 1 und 2 halten die Gemeindeverwaltungen gewisse Vorräte für
Neuzuzüger und für Ersatzabgaben gratis bereit. In allen Zonen können Sie gegen eine Schutzgebühr von CHF 5.00
„Kaliumiodid 65 mg Armeeapotheke“ in der Apotheke oder in den Zonen 1 und 2
auch in der Drogerie beziehen.
Wirkung
Allgemein
Wie wirken die Tabletten und helfen sie wirklich?
Die Schilddrüse braucht zum
normalen Funktionieren das Element Iod. Dies ist in den Kaliumiodidtabletten
reichlich vorhanden. Bei Einnahme der Kaliumiodidtabletten wird die Schilddrüse
mit normalem Iod überschwemmt. Sie kann während einer gewissen Zeit kein Iod
und damit bei einem schweren Kernkraftwerkunfall auch kein radioaktives Iod
mehr aufnehmen. Eingeatmetes radioaktives Iod und wird so relativ schnell
wieder ausgeschieden. Das Risiko, dass sich radioaktives Iod in der Schilddrüse
ansammelt, entfällt. Radioaktives Iod in der Schilddrüse kann langfristig durch
Strahlung zu Schilddrüsenkrebs führen.
Haben die Tabletten Nebenwirkungen?
Nebenwirkungen sind selten
und in der Regel harmlos. Mögliche Nebenwirkungen sind in der Packungsbeilage
beschrieben.
Ich habe Probleme mit meiner Schilddrüse. Dürfte ich die
Tabletten im Notfall überhaupt einnehmen?
Sie sollten sich bei der
nächsten Konsultation beim Hausarzt erkundigen, wie sie sich im Ereignisfall
verhalten müssen.
Was passiert, wenn ich die Tabletten versehentlich einnehme,
ohne dass der Ereignisfall eingetroffen ist? Soll ich sofort zum Arzt? Hat das
Auswirkungen auf meine Gesundheit?
Vermeiden Sie möglichst eine
Einnahme von Kaliumiodidtabletten, ohne von den Behörden dazu aufgefordert zu
werden. Haben Sie trotzdem die Tabletten eingenommen, hat das in der Regel
wenig bis keine Auswirkungen auf Ihre Gesundheit. Ein Arztbesuch ist deshalb
nicht notwendig, ausser Sie leiden an einer Schilddrüsenkrankheit, wie z.B.
einem Kropf oder einer Schilddrüsenüberfunktion, oder Sie bemerken
Nebenwirkungen.
Kann ich die Kaliumiodidtabletten auch prophylaktisch
einnehmen, um einen besseren Schutz vor Strahlen zu erzielen?
Die Kaliumiodidtabletten sind
nur geeignet zur Einnahme bei einer erhöhten radioaktiven Iodkonzentration, wie
sie akut bei einem schweren Kernkraftwerkunfall auftreten kann. Vor einer
Einnahme ohne behördliche Anordnung wird dringend abgeraten, da eine länger
dauernde prophylaktische Einnahme die Schilddrüsenfunktion beeinflusst.
Erwachsene
Ich bin über 45 Jahre alt und habe gehört, dass ich in meinem
Alter die Kaliumiodidtabletten nicht einnehmen soll. Was muss ich denn jetzt
machen?
Die WHO (World Health Organization Geneva / Weltgesundheitsorganisation in
Genf) empfiehlt die vorsorgliche Bereitstellung von Kaliumiodidtabletten für
Bewohner, die in der Umgebung eines Kernkraftwerkes leben. Eine Einnahme dieser
Tabletten wird von verschiedenen Experten auch für über 45-Jährige empfohlen,
wenn bei Austritt von Strahlung mit einer Strahlenabsorption von über 1 Gray zu
rechnen ist.
Je älter man wird, desto
„unempfindlicher“ wird die Schilddrüse gegenüber radioaktivem Iod und desto
kleiner wird das Risiko eines späteren Schilddrüsenkrebses. Expertenschätzungen
gehen davon aus, dass Leute über 45 Jahre ein bis 10-fach geringeres Risiko
haben als junge Erwachsene. Mit zunehmendem Alter steigt hingegen bei der Gabe
von Kaliumiodidtabletten das Risiko von Nebenwirkungen in Form einer vorübergehenden
Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose). Das Auftreten dieser Nebenwirkungen
ist in Ländern mit guter Iodversorgung (z.B. iodiertes Kochsalz in der Schweiz)
weniger wahrscheinlich. Anders ist das in Ländern mit schlechter Iodversorgung.
Dort wird das Risiko, eine Schilddrüsenüberfunktion zu entwickeln, als relevant
eingestuft und für Personen über 45 keine Kaliumiodtabletteneinnahme im
Ereignisfall empfohlen.
In der Schweiz wurde
beschlossen, für alle Einwohner Kaliumiodidtabletten einzulagern.
Kinder
Wie wirkungsvoll ist die Einnahme der Kaliumiodidtabletten bei
Kindern im Ereignisfall?
Je jünger jemand ist, desto
empfindlicher reagiert die Schilddrüse auf radioaktives Iod und desto höher ist
das Risiko einer späteren Entwicklung eines Schilddrüsenkrebses. Das heisst,
dass vor allem Kleinkinder und Kinder vor einer Strahlenexposition geschützt
werden müssen. Experten schätzen, dass ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, bei
einer ungeschützten Exposition etwa 10 x höher ist als das von jungen
Erwachsenen.
Mein Kind hat eine Tablette versehentlich verschluckt. Was soll
ich tun?
Geben Sie Ihrem Kind viel
Flüssigkeit. Eine Arztkonsultation ist in der Regel nicht nötig. Falls Ihr Kind
mehrere Tabletten verschluckt hat oder spürbare Nebenwirkungen zeigt, nehmen
Sie Kontakt mit ihrem Haus- oder Kinderarzt auf.
Grundsätzlich sollte dieser
Fall nicht vorkommen. Die Tablettenblister sind undurchsichtig und zusätzlich
mit einer kindersicheren weissen Schutzfolie versehen, die das Durchdrücken der
Tabletten erschwert.
Tiere
Kann ich meine Haustiere mit den verteilten
Kaliumiodidtabletten schützen?
Haus- und Nutztiere wie
Hunde, Katzen und Kühe sind Säugetiere, weshalb deren Schilddrüse gleich wie
beim Menschen funktioniert. Da jedoch die Dosierung bei Tieren viel niedriger
ist (sie liegt je nach Tierart 10 bis 1000-fach tiefer als bei Menschen) ist
von einer Verabreichung von Kaliumiodidtabletten an Tiere dringend abzuraten.
Nur Kühe würden sie vertragen, bei allen anderen Tieren würden diese Tabletten
eine massive Überdosierung darstellen. Sind Sie an weiteren Informationen
interessiert sprechen Sie bitte bei Ihrem nächsten Besuch Ihrer Tierärztin oder
Ihrem Tierarzt darüber und bringen Sie ihm dieses Blatt mit zusätzlichen
Angaben zur Anwendung bei Tieren mit.
Tierarztinformationen
Welche Dosierung wird bei der normalen Iodzufuhr für einzelne
Haus- und Nutztiere empfohlen?
Die Dosierungen für Haus- und
Nutztiere ist in der Regel deutlich niedriger als beim Menschen. Folgende
Richtwerte sind bei der Dosierung anzusetzen:
Hund: 0.033 mg/kg (Milligramm
pro kg Körpergewicht)
Katze (ausgewachsen): 0.1
µg/kg (Millionstel Gramm pro kg Körpergewicht)
Kätzchen: 0.3 µg/kg
(Millionstel Gramm pro kg Körpergewicht)
Geflügel: 0.35 mg/kg
(Milligramm pro kg Körpergewicht)
Kühe: Die europäische
Gesetzgebung erlaubt bis 165 mg/Kuh/Tag für eine Milchleistung von 15 kg/Tag.
Weiterhin werden 50 ppm im Futter empfohlen. Aus einer anderen Quelle werden 24
mg/Tag während der letzten Trächtigkeitsphase und 48 mg/Tag am Anfang der
Laktation empfohlen.
Grenzwerte:
Kälber: Dosen bis 80-100 ppm
werden problemlos ertragen, danach wird eine reduzierte Gewichtszunahme
beobachtet
Milchkühe: 400 mg/Tag wurden
ohne unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) verabreicht
Schafe: bis 150 mg/Tag ohne
UAWs (höhere Dosen verursachten eine reduzierte Gewichtszunahme)
Schweine: mit 400 ppm wurden
Schilddrüsenvergrösserung und reduziertes Eisengehalt der Leber beobachtet
(andere Studien berichten von bis 2500 ppm ohne UAWs)
Pferd: Bei Stuten, die 48-55
mg Iod erhielten, wurde eine 3 prozentige Inzidenz von Kropf bei Fohlen
beobachtet (mit 56-69 mg, 10% und mit 288-432 mg, 50%)
Bei 15 kg schweren Hunde
wurden bis 59 mg/kg problemlos ertragen (z.T. wurde Erbrechen beobachtet)
Ereignisfall
Verhalten im Ereignisfall
Was ist eigentlich der Ereignisfall?
Unter Ereignisfall versteht
man einen schweren Kernkraftwerkunfall, bei dem es zum Austritt radioaktiver
Stoffe, darunter auch von radioaktivem Iod kommt. Beim so genannten
Notfallschutz im Ereignisfall geht es in erster Linie um die Vermeidung von
Strahlenerkrankungen bei der betroffenen Bevölkerung. Zwischen Behörden und Kernkraftwerkbetreibern
besteht eine enge Zusammenarbeit, um im Ereignisfall schnell handeln zu können.
Wie erfahre ich vom Ereignisfall? Was muss ich tun?
Im Ereignisfall alarmieren
die Behörden die betroffene Bevölkerung über die Sirenen. Dieser Alarm fordert
Sie auf, das Radio (DRS oder lokale Radiosender) anzuschalten. Die
Behörden informieren die Bevölkerung über Radio und erteilen Anweisungen, wie Sie sich verhalten
soll. Eine Einnahme der Kaliumiodidtabletten ist nicht sofort notwendig. Die Radioaktivität
wird flächendeckend gemessen und nur in den Gemeinden, in denen eine
radioaktive Belastung festgestellt wird oder sicher zu erwarten ist, ordnen die
Behörden die Einnahme der Tabletten an.
Weitere Hinweise zu
Alarmfällen finden Sie im <<örtlichen Telefonbuch>> auf den letzten
Seiten unter «Alarmierung der Bevölkerung, Verhalten bei Gefährdung» sowie
unter http://www.bevoelkerungsschutz.admin.ch/internet/bs/de/home/themen/alarmierung.html.
Beachten Sie, dass jeweils
einmal jährlich am 1. Mittwoch im Februar ein Sirenentest durchgeführt wird.
Die in Zone 1
und 2 wohnhafte Bevölkerung wird
im Rahmen des Sirentests aufgefordert, die Verfügbarkeit ihrer in die
Haushaltungen verteilten Tabletten zu überprüfen.
Was passiert im Ereignisfall?
Die Behörden ordnen über
Radio (DRS oder lokale Radiosender)
Massnahmen an, um die Bevölkerung vor eventuell austretender Radioaktivität so
gut wie möglich zu schützen.
Die wichtigste Massnahme ist,
sich nicht im Freien aufzuhalten, sondern sich in Gebäude zu begeben, Fenster
und Türen zu schliessen sowie alle Lüftungen abzuschalten. Damit wird
verhindert, dass radioaktiv verseuchte Luft in ihr Haus eindringen kann. In
einer solchen Situation ist den Anweisungen der Behörden unbedingt Folge zu
leisten.
Eine weitere angeordnete
Massnahme kann sein, die Kaliumiodidtabletten entweder bereitzustellen oder in
Gemeinden mit radioaktiver Belastung einzunehmen.
Muss ich die Kaliumiodidtabletten bei einem Ereignisfall sofort
einnehmen?
Die Einnahme darf grundsätzlich nur auf Anordnung der
Behörden erfolgen. Bei einer konkreten Gefährdung durch radioaktives Iod ordnen
die Behörden über Radio sowohl die Bereitstellung als auch falls erforderlich
die Einnahme und die Dauer der Anwendung der Kaliumiodidtabletten an. Achten
Sie darauf, in welchen Gemeinden genau die Tabletten eingenommen werden müssen.
In welchen Gemeinden müssen die Kaliumiodidtabletten eingenommen
werden?
Die Behörden ermitteln bei
einem Austritt von Radioaktivität mit Hilfe verschiedener Messungen (Stärke der
Strahlung, Windgeschwindigkeit, Windrichtung usw.), welche Gebiete genau durch
Radioaktivität gefährdet werden. Sie ordnen entsprechende Massnahmen zum Schutz
der Bevölkerung an. Eine davon kann die Einnahme von Kaliumiodidtabletten sein.
Ich kann die Tablette nicht aus dem Blister herausdrücken. Was
muss ich tun?
Die Blister sind auf der
weissen Seite mit einer kindersicheren Schutzfolie geschützt. Diese muss
entfernt werden. Dann lassen sich die Tabletten leicht herausdrücken.
Wie nehme ich die Kaliumiodidtabletten ein?
«Kaliumiodid 65 mg
Armeeapotheke» Tabletten sollen mit reichlich Flüssigkeit und möglichst nicht
auf nüchternen Magen eingenommen werden. Die Einnahme kann durch Auflösen der
Tabletten in einem beliebigen Getränk erleichtert werden. Die Lösung ist nicht
haltbar und ist deswegen, kurz vor Gebrauch herzustellen.
Wie viele Kaliumiodidtabletten soll ich einnehmen und wie
lange?
Erwachsene: 2 Tabletten pro
Tag auf einmal einnehmen.
Neugeborene (auch gestillte
Säuglinge behandelter Mütter) bis 1 Monat: ¼ Tablette nur einmal am 1.
Tag
Kinder ab dem 2. Monat bis 3
Jahre: ½ Tablette pro Tag
Kinder ab dem 4. Jahr bis 12
Jahre: 1 Tablette pro Tag
Kinder über 12 Jahre (wie
Erwachsene): 2 Tabletten pro Tag auf einmal einnehmen
Schwangere und Stillende: 2
Tabletten auf einmal pro Tag, an max. 2 Tagen
Die notwendige Dauer der
Einnahme wird durch die Behörden bekannt gegeben.
Auch wenn für Kinder und Erwachsene
die Einnahme dieser Tabletten mehrere Tage hintereinander angeordnet wird,
gelten für Schwangere und Stillende sowie Neugeborene im 1. Lebensmonat die
obigen Einschränkungen. Neugeborene erhalten nur einmal ¼ Tablette, Schwangere
und Stillende nehmen an maximal 2 Tagen 2 Tabletten ein.
Hilft es, wenn ich mehr als die empfohlene Menge einnehme?
Nein.
Weshalb sind viel mehr Kaliumiodidtabletten in der Packung enthalten
als ich einnehmen soll?
In jeder Packung
Kaliumiodidtabletten sind rund doppelt so viele Tabletten enthalten als pro
Person im Ereignisfall benötigt werden. Damit haben Sie die Möglichkeit, im Ereignisfall
anderen Personen z.B. Verwandten, Bekannten oder Nachbarn mit Tabletten
auszuhelfen, falls diese ihre Packung nicht zur Hand haben sollten, Zusätzlich
kann eine Versorgung auch für solche Personen sichergestellt werden, die sich
neu oder kurzfristig in den betroffenen Gemeinden aufhalten und, aus welchen
Gründen auch immer, über keine Kaliumiodidtabletten verfügen.
Soll ich im Ereignisfall die Wohnung / das Gebäude verlassen
oder besser dort bleiben?
Im Ereignisfall wird durch
die Behörden bekannt gegeben, welche Schutzmassnahmen zu treffen sind. Es gilt
in jedem Fall das Radio anzuschalten und die behördlichen Anweisungen zu befolgen.
In der Regel wird man die Bevölkerung auffordern, sich in Gebäude
zurückzuziehen und Fenster und Türen zu schliessen. Es wird Ihnen auch mitgeteilt,
wie lange Sie das Haus / Gebäude nicht verlassen dürfen bzw. wann Sie dieses
unter keinen Umständen verlassen sollten. Im regionalen Telefonbuch befinden
sich weitere wichtige Informationen zum Verhalten im Ernstfall auf den letzten
Seiten unter «Alarmierung der Bevölkerung, Verhalten bei Gefährdung».
Was passiert, wenn ich im Ereignisfall nicht zu Hause, sondern
unterwegs bin? Sollte ich vorsichtshalber meine Tabletten immer bei mir haben?
Nein, das ist nicht nötig. In
der Zone 1 und 2 wurden Kaliumiodidtabletten auch an alle Betriebe und
öffentlichen Einrichtungen abgegeben. In der Zone 3 ist durch die zuständige
Behörde sichergestellt, dass im Alarmfall Tabletten verteilt oder zugänglich gemacht
würden.
Schulen/Kindertagesstätten
Dürfen Lehrkräfte an Schulen und Betreuungspersonen in Kindertagesstätten
Kaliumiodidtabletten an Kinder abgeben?
Bei einem schweren
Kernkraftwerkunfall mit Austritt von Radioaktivität und auf Anordnung der Behörde dürfen Lehrkräfte und
Betreuungspersonen Kaliumiodidtabletten an Kinder abgeben. Ist der Lehrkraft
oder Betreuungsperson zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, dass ein Kind an einer
Iodallergie oder einer Schilddrüsenkrankheit leidet, werden
Kaliumiodidtabletten abgegeben. Das genaue Vorgehen sollte im Krisenmanual der
Schule oder Kindertagesstätte beschrieben sein.
Die Eltern sind anschliessend
über die Abgabe der Kaliumiodidtabletten zu informieren.
Wann dürfen die Kinder wieder heim geschickt werden?
Hören Sie Radio und halten
Sie sich an die Anweisungen der Behörden.
Weitere Informationen
Gibt es einen allgemeinen Katastrophenplan? Wer ordnet die
Massnahmen im Ereignisfall an? Wo kann ich mich weiter erkundigen?
Die Eidgenössische Kommission
für ABC-Schutz (KomABC) sorgt in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen und den
Bundesstellen für die Vorbereitung der Massnahmen, welche die Bevölkerung bei
erhöhter Radioaktivität schützen sollen. Für den Fall eines Unfalls in einem
Schweizer Kernkraftwerk wurde ein Notfallschutzkonzept ausgearbeitet, welches
Zuständigkeiten und Aufgaben von Bund und Kantonen sowohl in der Vorbereitung
als auch im Ereignisfall regelt. Dort ist ebenfalls aufgeführt, wie die
Bevölkerung alarmiert wird und welche Schutzmassnahmen bei einem solchen
Ereignis notwendig sind.
Weitere Informationen finden
Sie unter www.komabc.ch.
Wer ist für die Versorgung der Bevölkerung mit Kaliumiodidtabletten
verantwortlich?
Die Gesamtverantwortung
obliegt dem Bundesamt für Gesundheit (BAG).
In den Zonen 1+2 werden die Kaliumiodidtabletten direkt vom Bund an
die Haushaltungen, Betriebe und öffentlichen Einrichtungen verteilt. In der Zone 3 werden die Kaliumiodidtabletten vom Bund in genügender
Anzahl an die vom Kanton vorgegebenen Lagerorte geliefert. Im Alarmfall sind
die kantonalen Behörden für die weitere Verteilung an die Bevölkerung
zuständig.
Per Verordnung (Jodtabletten-Verordnung)
sind die Beschaffung und Verteilung der Kaliumiodidtabletten sowie die
Qualitätsüberwachung der Tabletten an die Armeeapotheke als Kompetenzzentrum
delegiert.
Die Armeeapotheke arbeitet
zusammen mit der ständig geführten Geschäftsstelle „Kaliumiodidversorgung“.
Zurzeit ist die Geschäftsstelle bei der ATAG Wirtschaftsorganisationen AG,
Bern, domiziliert.
Kontaktpersonen:
Bundesamt für Gesundheit: Herr
Dr. Werner Zeller
Armeeapotheke: Herr
Dr. Thomas Meister
Geschäftsstelle: Herren
Max Zulliger und Tony Henzen